Wer heute eine Stelle in der Physiotherapie besetzen will, konkurriert mit den Praxen im Umkreis und außerdem mit dem Ausstieg aus dem Beruf.
Drei aktuelle Zahlen beschreiben die Lage, zwei aus der amtlichen Statistik, eine aus der größten aktuellen Verbandsbefragung.
Offene Stellen: IW-Report 2025, Datenbasis 2024 (Pflegefachkräfte zum Vergleich: 7.174). Ausstiegsgedanken: zweite Umfrage des Verbands Physikalische Therapie, veröffentlicht Juni 2025, 2.050 Befragte; über 25 Prozent wollen nicht mehr lange im Beruf bleiben. Vakanzzeit: Fachkräfteengpassanalyse 2024 der Bundesagentur für Arbeit, zitiert nach IFK (2023: 253 Tage). Für die Vakanzzeit kursieren je nach Erhebungsmethode Werte zwischen 175 und 280 Tagen, genannt ist hier der Wert aus der amtlichen Engpassanalyse.
In derselben Verbandsbefragung geben 58,5 Prozent der Praxen an, offene Stellen gar nicht erst der Arbeitsagentur zu melden. Der tatsächliche Bedarf liegt also über allem, was die amtliche Statistik ausweist, und Ihre Mitbewerber um Personal sind zahlreicher, als die offiziellen Zahlen vermuten lassen.
Weil zwei Drittel schon über einen Ausstieg nachgedacht haben, ist der Bewerbermarkt außerdem kleiner, als die Zahl der ausgebildeten Therapeuten vermuten lässt. Die bessere Nachricht ist, dass ein großer Teil der Ausstiegswilligen bleiben würde, wenn die Bedingungen stimmen. Fast alle Gründe für den Ausstieg lassen sich beeinflussen.
Das Gehalt: konkrete Zahlen statt Spannen
Die meisten Gehaltsangaben im Netz nennen Jahresbrutto über alle Erfahrungsstufen hinweg. Für die Personalsuche ist das wenig hilfreich. Ein Bewerber vergleicht den Stundensatz, den er bei Ihnen und bei anderen Angeboten sieht.
| Situation | Stundensatz | Einordnung |
|---|---|---|
| Berufseinsteiger, Untergrenze | ca. 20 € | Regional das absolute Minimum, um überhaupt in die Auswahl zu kommen |
| Berufseinsteiger, realistisch | ca. 22 € | Wettbewerbsfähig in den meisten Regionen |
| Marktdurchschnitt (alle Stufen) | ca. 21 € | Veröffentlichter Mittelwert über alle Erfahrungsstufen |
Der veröffentlichte Marktdurchschnitt von rund 21 Euro liegt innerhalb der Spanne, die heute für Berufseinsteiger nötig ist. Wer sich am Durchschnitt orientiert, zahlt erfahrenen Kräften also faktisch Einsteiger-Niveau. Das erklärt, warum langjährige Mitarbeitende irgendwann nachrechnen und gehen.
Der Zielkonflikt: Taktung gegen Gehalt
Über diesen Punkt redet kaum jemand gern. Die 20-Minuten-Taktung ist in den meisten Praxen Standard, und sie ist die Voraussetzung dafür, überhaupt vernünftige Stundenlöhne zahlen zu können. Sie bestimmt den Umsatz pro Behandlungsstunde.
Gleichzeitig ist genau diese Arbeitsverdichtung einer der meistgenannten Belastungsfaktoren im Beruf. Eine 30-Minuten-Taktung ist fachlich attraktiver und gesünder. Sie senkt aber den Umsatz je Stunde und macht es damit schwerer, beim Gehalt mitzuhalten.
Beides gleichzeitig zu maximieren geht nicht. Wer 30 Minuten behandelt, hat es bei der Personalgewinnung schwerer, auch wenn es nicht unmöglich ist. Am Ende müssen Therapeuten von ihrem Gehalt leben, und die Lebenshaltungskosten steigen unabhängig davon, wie schön das Behandlungskonzept ist.
Wenn Sie sich bewusst für die längere Taktung entscheiden, brauchen Sie ein Gegengewicht an anderer Stelle: bei der Arbeitszeit, beim Fortbildungsbudget, bei der Teamkultur. Was nicht funktioniert, ist die längere Taktung als Argument einzusetzen und beim Gehalt trotzdem unter dem Marktniveau zu bleiben.
Ob sich dieser Zielkonflikt in Ihrer Praxis überhaupt stellt, hängt an Ihrem Einzugsgebiet und an dem, was die Praxen nebenan zahlen. Das gehen wir im Erstgespräch durch.
Erstgespräch vereinbarenWarum Therapeuten tatsächlich wechseln
Die Fresenius-Studie hält fest, dass finanzielle Erwägungen die Hauptrolle spielen, und nennt daneben das Missverhältnis zwischen Lohn und Arbeitsleistung, fehlende berufliche Perspektiven, eine geringe berufspolitische Lobby und gestiegene Lebenshaltungskosten. Eine Aufschlüsselung nach Prozentwerten je Grund enthält die Veröffentlichung nicht. Kursierende Prozentangaben dazu stammen aus Sekundärberichten und lassen sich am Original nicht belegen.
Aus dem Praxisalltag kommen Gründe hinzu, die in Gesprächen immer wieder auftauchen:
- Keine Perspektive. Es geht weder fachlich noch beim Gehalt voran. Wer nach drei Jahren dasselbe verdient wie am ersten Tag, sucht.
- Belastende Teamdynamik. Sie ist der am meisten unterschätzte Faktor.
- Auf Wünsche wird nicht eingegangen. Das gilt für Arbeitszeiten, Urlaub und Fortbildungen. Das Signal dahinter wiegt schwerer als die Sache selbst.
- Fehlende Benefits. Bewerber lesen daran ab, ob sich der Arbeitgeber Gedanken macht.
- Eintönige Behandlungsroutine. Immer dieselbe Klientel, keine fachliche Entwicklung.
- Veraltete Praxis. Ausstattung und Räume wirken stärker auf die Entscheidung, als Inhaber annehmen.
Das Gehalt gewinnt einen Mitarbeiter, das Team hält ihn. Wenn die Bezahlung stimmt, das Team aber nicht funktioniert, ist der neue Kollege genauso schnell wieder weg. Wer nur an der Gehaltsschraube dreht, kauft sich Fluktuation auf Raten.
Flexible Arbeitszeit: der unterschätzte Hebel
Flexibilität ist nach dem Gehalt das wirksamste Argument, und sie kostet deutlich weniger. Dabei geht es um mehr als die Wahl zwischen Früh- und Nachmittagsschicht, auch wenn schon das viele Praxen nicht anbieten.
Das Aufstockmodell
Bewährt hat sich ein Vertrag mit bewusst niedrig angesetzter Grundstundenzahl, etwa 25 Wochenstunden, mit der Möglichkeit, phasenweise auf 30 Stunden aufzustocken.
Mitarbeitende können dann in ruhigeren Lebensphasen mehr arbeiten und in anderen zurückfahren, ohne dass jemand den Vertrag ändern muss. Die Praxis plant nach dem tatsächlichen Bedarf statt nach einer starren Vertragsstundenzahl. Und wenn jemand krank ist oder ein Kind krank wird, entstehen keine Minusstunden, weil die vertragliche Basis niedrig liegt.
Der Punkt mit den Minusstunden ist der, den Praxisinhaber am meisten unterschätzen. Wer 38 Stunden vertraglich zusagt und die Auslastung nicht dauerhaft halten kann, produziert Minusstunden und damit Konflikte, die am Ende wieder zur Kündigung führen.
Was das für Ihre Personalsuche bedeutet
Auf die Reihenfolge kommt es an. Erst das Angebot, dann die Reichweite. Eine Stellenanzeige, die 19 Euro und eine 38-Stunden-Woche ohne Spielraum anbietet, wird auch mit dem besten Marketing nicht funktionieren. Sie wird nur schneller von mehr Leuten abgelehnt.
Wenn das Angebot dagegen steht, greift der zweite Punkt: Die Therapeuten, die Sie suchen, lesen keine Stellenanzeigen. Sie sind in Festanstellung, nicht aktiv auf Jobsuche, und damit über Jobportale nicht erreichbar. Erreichbar sind sie dort, wo sie ohnehin sind: über gezielte Ansprache in sozialen Netzwerken.
Das ist unsere Arbeit. Wir schauen uns zuerst an, ob Ihr Angebot im regionalen Vergleich mithalten kann, und sprechen dann die wechselbereiten Therapeuten in Ihrem Einzugsgebiet direkt an.
Häufige Fragen
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