Für Praxisinhaber

Physiotherapeuten finden: was Ihre Praxis 2026 dafür bieten muss

Zu dem Thema steht viel Allgemeines im Netz. Hier stehen konkrete Stundensätze, warum sich Taktung und Gehalt gegenseitig im Weg stehen und was Therapeuten wirklich dazu bringt, die Praxis zu wechseln. Geschrieben von jemandem, der den Beruf gelernt hat.

Wer heute eine Stelle in der Physiotherapie besetzen will, konkurriert nicht nur mit den Praxen im Umkreis. Er konkurriert mit dem Ausstieg aus dem Beruf.

Drei aktuelle Zahlen beschreiben die Lage, zwei aus der amtlichen Statistik, eine aus der größten aktuellen Verbandsbefragung.

11.979 unbesetzte Stellen in der Physiotherapie, mehr als in jedem anderen Gesundheitsberuf
66,6 % der befragten Physiotherapeuten haben schon einmal über einen Berufsausstieg nachgedacht
280 Tage dauerte die Nachbesetzung einer Stelle 2024 im Durchschnitt

Offene Stellen: IW-Report 2025, Datenbasis 2024 (Pflegefachkräfte zum Vergleich: 7.174). Ausstiegsgedanken: zweite Umfrage des Verbands Physikalische Therapie, veröffentlicht Juni 2025, 2.050 Befragte; über 25 Prozent wollen nicht mehr lange im Beruf bleiben. Vakanzzeit: Fachkräfteengpassanalyse 2024 der Bundesagentur für Arbeit, zitiert nach IFK (2023: 253 Tage). Für die Vakanzzeit kursieren je nach Erhebungsmethode Werte zwischen 175 und 280 Tagen, genannt ist hier der Wert aus der amtlichen Engpassanalyse.

Was in keiner Statistik steht

In derselben Verbandsbefragung geben 58,5 Prozent der Praxen an, offene Stellen gar nicht erst der Arbeitsagentur zu melden. Der tatsächliche Bedarf liegt also über allem, was die amtliche Statistik ausweist, und Ihre Mitbewerber um Personal sind zahlreicher, als die offiziellen Zahlen vermuten lassen.

Für Ihre Personalsuche bedeutet das: Der Bewerbermarkt ist kleiner, als die Zahl der ausgebildeten Therapeuten vermuten lässt. Die bessere Nachricht ist, dass ein großer Teil der Wechselwilligen bleiben würde, wenn die Bedingungen stimmen. Fast alle Gründe für den Ausstieg lassen sich beeinflussen.

Das Gehalt: konkrete Zahlen statt Spannen

Die meisten Gehaltsangaben im Netz nennen Jahresbrutto über alle Erfahrungsstufen hinweg. Für die Personalsuche ist das wenig hilfreich. Entscheidend ist der Stundensatz, den ein Bewerber beim Vergleich mit anderen Angeboten sieht.

SituationStundensatzEinordnung
Berufseinsteiger, Untergrenze ca. 20 € Regional das absolute Minimum, um überhaupt in die Auswahl zu kommen
Berufseinsteiger, realistisch ca. 22 € Wettbewerbsfähig in den meisten Regionen
Marktdurchschnitt (alle Stufen) ca. 21 € Veröffentlichter Mittelwert über alle Erfahrungsstufen
Woran die meisten nicht denken

Der veröffentlichte Marktdurchschnitt von rund 21 Euro liegt innerhalb der Spanne, die heute für Berufseinsteiger nötig ist. Wer sich am Durchschnitt orientiert, zahlt erfahrenen Kräften also faktisch Einsteiger-Niveau. Genau das erklärt, warum langjährige Mitarbeitende irgendwann rechnen, und gehen.

Der Zielkonflikt: Taktung gegen Gehalt

Über diesen Punkt redet kaum jemand gern. Die 20-Minuten-Taktung ist in den meisten Praxen Standard, und sie ist die Voraussetzung dafür, überhaupt vernünftige Stundenlöhne zahlen zu können. Sie bestimmt den Umsatz pro Behandlungsstunde.

Gleichzeitig ist genau diese Arbeitsverdichtung einer der meistgenannten Belastungsfaktoren im Beruf. Eine 30-Minuten-Taktung ist fachlich attraktiver und gesünder. Sie senkt aber den Umsatz je Stunde und macht es damit schwerer, beim Gehalt mitzuhalten.

Beides gleichzeitig zu maximieren geht nicht. Wer 30 Minuten behandelt, hat es bei der Personalgewinnung schwerer. Nicht unmöglich, aber schwerer. Denn am Ende müssen Therapeuten von ihrem Gehalt leben, und die Lebenshaltungskosten steigen unabhängig davon, wie schön das Behandlungskonzept ist.

Wenn Sie sich bewusst für die längere Taktung entscheiden, brauchen Sie ein Gegengewicht an anderer Stelle: bei der Arbeitszeit, beim Fortbildungsbudget, bei der Teamkultur. Was nicht funktioniert, ist die längere Taktung als Argument einzusetzen und beim Gehalt trotzdem unter dem Marktniveau zu bleiben.

Warum Therapeuten tatsächlich wechseln

Die Fresenius-Studie hält als Hauptmotiv fest, dass finanzielle Erwägungen die Hauptrolle spielen, und nennt daneben das Missverhältnis zwischen Lohn und Arbeitsleistung, fehlende berufliche Perspektiven, eine geringe berufspolitische Lobby und gestiegene Lebenshaltungskosten. Eine Aufschlüsselung nach Prozentwerten je Grund enthält die Veröffentlichung nicht, kursierende Prozentangaben dazu stammen aus Sekundärberichten und lassen sich am Original nicht belegen.

Aus dem Praxisalltag kommen Gründe hinzu, die in Gesprächen immer wieder auftauchen:

  • Keine Perspektive. Weder fachlich noch beim Gehalt. Wer nach drei Jahren dasselbe verdient wie am ersten Tag, sucht.
  • Belastende Teamdynamik. Der am meisten unterschätzte Faktor.
  • Auf Wünsche wird nicht eingegangen. Bei Arbeitszeiten, Urlaub, Fortbildungen. Das Signal dahinter wiegt schwerer als die Sache selbst.
  • Fehlende Benefits. Weniger als Luxus, mehr als Zeichen, dass jemand mitdenkt.
  • Eintönige Behandlungsroutine. Immer dasselbe Klientel, keine fachliche Entwicklung.
  • Veraltete Praxis. Ausstattung und Räume wirken stärker auf die Entscheidung, als Inhaber annehmen.
Meine Erfahrung

Das Gehalt gewinnt einen Mitarbeiter, das Team hält ihn. Wenn die Bezahlung stimmt, das Team aber nicht funktioniert, ist derjenige genauso schnell wieder weg. Wer nur an der Gehaltsschraube dreht, kauft sich Fluktuation auf Raten.

Flexible Arbeitszeit: der unterschätzte Hebel

Flexibilität ist nach dem Gehalt das wirksamste Argument, und sie kostet deutlich weniger. Dabei geht es um mehr als die Wahl zwischen Früh- und Nachmittagsschicht, auch wenn schon das viele Praxen nicht anbieten.

Das Aufstockmodell

Bewährt hat sich ein Vertrag mit bewusst niedrig angesetzter Grundstundenzahl, etwa 25 Wochenstunden, mit der Möglichkeit, phasenweise auf 30 Stunden aufzustocken. Für beide Seiten entsteht daraus ein Vorteil:

  • Für Mitarbeitende: Spielraum, in ruhigeren Lebensphasen mehr zu arbeiten und in anderen zurückzufahren, ohne den Vertrag ändern zu müssen.
  • Für die Praxis: Planung nach tatsächlichem Bedarf statt nach starrer Vertragsstundenzahl.
  • Gegen Minusstunden: Bei Ausfällen wie Krankheit oder Kind-krank entstehen keine Minusstunden, weil die vertragliche Basis niedrig liegt.

Der letzte Punkt ist der, den Praxisinhaber am meisten unterschätzen. Wer 38 Stunden vertraglich zusagt und die Auslastung nicht dauerhaft halten kann, produziert Minusstunden, und damit Konflikte, die am Ende wieder zur Kündigung führen.

Was das für Ihre Personalsuche bedeutet

Die Reihenfolge ist entscheidend. Erst das Angebot, dann die Reichweite. Eine Stellenanzeige, die 19 Euro und eine 38-Stunden-Woche ohne Spielraum anbietet, wird auch mit dem besten Marketing nicht funktionieren. Sie wird nur schneller von mehr Leuten abgelehnt.

Wenn das Angebot dagegen steht, greift der zweite Punkt: Die Therapeuten, die Sie suchen, lesen keine Stellenanzeigen. Sie sind in Festanstellung, nicht aktiv auf Jobsuche, und damit über Jobportale nicht erreichbar. Erreichbar sind sie dort, wo sie ohnehin sind: über gezielte Ansprache in sozialen Netzwerken.

Das ist unsere Arbeit. Wir schauen uns zuerst an, ob Ihr Angebot im regionalen Vergleich mithalten kann, und sprechen dann die wechselbereiten Therapeuten in Ihrem Einzugsgebiet direkt an.

Häufige Fragen

Für Berufseinsteiger liegt die Untergrenze je nach Region bei etwa 20 Euro pro Stunde, realistisch eher bei 22 Euro. Wer darunter liegt, wird bei vergleichbaren Angeboten in der Region regelmäßig nicht berücksichtigt. Zum Vergleich: Der über alle Erfahrungsstufen gemittelte Stundenlohn liegt bei rund 21 Euro. Das Einsteiger-Niveau hat den früheren Durchschnitt also praktisch eingeholt.
Die Studie „Ich bin dann mal weg“ der Hochschule Fresenius (2017) hält fest, dass finanzielle Erwägungen die Hauptrolle spielen, daneben das Missverhältnis zwischen Lohn und Arbeitsleistung, fehlende berufliche Perspektiven und eine geringe berufspolitische Lobby. Prozentwerte je einzelnem Grund nennt die Veröffentlichung nicht. Aus dem Praxisalltag kommen hinzu: eine belastende Teamdynamik, das Gefühl, dass auf Wünsche nicht eingegangen wird, fehlende Benefits, eintönige Behandlungsroutine und eine veraltete Praxisausstattung.
Sie ist weitgehend Standard und Voraussetzung dafür, wettbewerbsfähige Stundenlöhne zahlen zu können. Gleichzeitig gilt die daraus entstehende Arbeitsverdichtung als Belastungsfaktor. Eine 30-Minuten-Taktung ist fachlich attraktiver, senkt aber den Umsatz je Behandlungsstunde, und macht es schwerer, beim Gehalt mitzuhalten. Unmöglich ist das nicht, es erfordert aber ein bewusstes Gegengewicht bei Arbeitszeit, Fortbildung oder Teamkultur.
Bewährt hat sich ein Vertrag mit bewusst niedriger Grundstundenzahl, etwa 25 Wochenstunden, mit der Möglichkeit, phasenweise auf 30 Stunden aufzustocken. Für Mitarbeitende entsteht Spielraum, für die Praxis Planbarkeit: Es lässt sich nach tatsächlichem Bedarf planen, und bei Ausfällen wie Krankheit oder Kind-krank entstehen keine Minusstunden. Ergänzend zählt die Wahlmöglichkeit zwischen Früh- und Nachmittagsschichten.

Wie steht Ihre Praxis im regionalen Vergleich da?

In einer kostenlosen Potenzial-Analyse ordnen wir Ihr Angebot im Vergleich zu den Praxen in Ihrem Einzugsgebiet ein und zeigen, wie viele wechselbereite Therapeuten dort erreichbar sind.

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