Kurz vorab: Wer eine Anzeige schaltet und wartet, spricht den kleinen Teil des Marktes an, der gerade aktiv sucht. Der größere Teil ist wechselbereit, aber nicht auf der Suche. Diesen Teil erreicht man nur, wenn man zu ihm geht.
Wechselbereitschaft: forsa-Langzeitstudie im Auftrag von XING, Erhebung Januar 2025, 3.413 sozialversicherungspflichtig Erwerbstätige. Besetzungsdauer und Praxisgröße: Eckdatenstudie 2025 zur Physiotherapiebranche von ETL ADVISION und dem Verlag für Prävention & Gesundheit. Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit weist für 2024 eine Vakanzzeit von 280 Tagen aus; je nach Erhebungsmethode liegen die Werte zwischen 175 und 280 Tagen.
Warum die Stelle liegen bleibt
Die Zahl, an der sich alles entscheidet, ist die 7. Sieben Prozent der Beschäftigten haben sich vorgenommen, dieses Jahr den Arbeitgeber zu wechseln. Diese Leute sind auf Stellenportalen unterwegs, sie lesen Anzeigen, sie bewerben sich. Um sie konkurriert jede Praxis im Umkreis, und in der Physiotherapie zusätzlich die Klinik, das Reha-Zentrum und der Fitnessanbieter nebenan.
Die 29 Prozent, die offen sind und nichts tun, sind für eine Anzeige unsichtbar. Sie schauen nicht auf Jobportale, weil sie sich nicht als Suchende sehen. Sie arbeiten, es läuft, und wenn abends etwas im Feed auftaucht, das besser aussieht als der eigene Alltag, dann lesen sie es. In der Physiotherapie ist diese Gruppe besonders groß: Zwei Drittel der Befragten einer Verbandsumfrage haben schon einmal über einen Berufsausstieg nachgedacht. Das sind Menschen, die mit ihrer Situation unzufrieden sind, ohne deshalb Bewerbungen zu schreiben.
Die sechs Wege im Vergleich
Die Einordnung stammt aus der Arbeit mit Therapiepraxen, die Kostenangaben aus öffentlich einsehbaren Preisen und aus dem, was Anbieter auf Nachfrage nennen.
| Weg | Erreicht | Kosten | Dauer |
|---|---|---|---|
| Aushang und eigene Website | Wer die Praxis ohnehin kennt | 0 € | offen |
| Fachportal für Therapieberufe | Aktiv Suchende der Branche | ab 60 € | 2–6 Monate |
| Großes Stellenportal | Aktiv Suchende, breit gestreut | ca. 1.400 € | 2–6 Monate |
| Agentur für Arbeit | Gemeldete Arbeitsuchende | 0 € | offen |
| Empfehlung im Team | Das Netzwerk der eigenen Leute | 500–1.000 € Prämie | unregelmäßig |
| Personalvermittlung | Kandidatenpool des Vermittlers | 6.500–10.500 € | 3–9 Monate |
| Social Recruiting | Auch die 29 % ohne Suchabsicht | Honorar plus 750–1.500 € Werbebudget im Monat | 2–4 Monate |
Portalpreise: Listenpreise für eine Einzelschaltung, Stand 2026. Personalvermittlung: 18 bis 25 Prozent des Bruttojahresgehalts, gerechnet auf ein Jahresbrutto von 36.000 bis 42.000 Euro. Ausführlich im Beitrag Was Recruiting für Therapiepraxen kostet.
Stellenportale
Ein Fachportal für Therapieberufe kostet wenig und erreicht genau die richtige Berufsgruppe, allerdings nur deren aktiv suchenden Teil. Das große Generalisten-Portal kostet das Zwanzigfache und bringt in der Physiotherapie selten mehr, weil seine Reichweite in Berufen liegt, die Sie gar nicht suchen. Wenn Sie Portale nutzen, dann das günstige und dauerhaft statt das teure für vier Wochen.
Empfehlung im Team
Der beste Kanal, den es gibt, und der am schwersten planbare. Therapeuten kennen Therapeuten, und wer über eine Empfehlung kommt, bleibt im Schnitt länger, weil er vorher wusste, worauf er sich einlässt. Eine ausgelobte Prämie von 500 bis 1.000 Euro bei erfolgreicher Einstellung kostet einen Bruchteil einer Vermittlung. Der Haken: Das Netzwerk von fünf Mitarbeitern ist irgendwann durch. Als einziger Weg reicht es nicht.
Social Recruiting
Hier läuft es umgekehrt. Statt darauf zu warten, dass jemand die Anzeige findet, wird das Angebot in den Feed derer gespielt, die im Umkreis der Praxis wohnen und im Beruf arbeiten. Damit ist die Gruppe erreichbar, die keine Anzeigen liest. Der Preis dafür ist Anlaufzeit. In den ersten Wochen entstehen vor allem Daten darüber, wer reagiert und worauf, und erst danach lässt sich nachsteuern. Wer nach vier Wochen abbricht, wirft die Vorarbeit weg.
Ein erheblicher Teil der Praxen meldet offene Stellen gar nicht erst der Agentur für Arbeit. Die amtliche Statistik zeigt deshalb nur einen Ausschnitt des tatsächlichen Bedarfs. Für Sie heißt das zweierlei: Der Wettbewerb um Bewerber ist größer, als die Zahlen vermuten lassen, und der Weg über die Agentur erreicht einen ohnehin dünn besetzten Teil des Marktes.
Die drei Fehler, die am meisten kosten
- Kein Gehalt in der Anzeige. „Leistungsgerechte Vergütung“ lesen erfahrene Therapeuten als Warnsignal, und zwar zu Recht: Wer gut zahlt, schreibt es hin. Eine Spanne genügt. Wer die Zahl weglässt, wird mit denen verglichen, die sie nennen, und verliert diesen Vergleich automatisch.
- Zu langsame Reaktion. Wer sich abends aus einer Laune heraus meldet, ist zwei Tage später wieder in seinem Alltag. Kommt in dieser Zeit keine Rückmeldung, war der Kontakt umsonst. Eine Antwort innerhalb von 24 Stunden entscheidet häufiger über die Besetzung als das Gehalt.
- Die Anzeige beschreibt die Stelle statt das Angebot. Aufgaben und Anforderungen kennt jeder Physiotherapeut, dafür braucht er keine Anzeige. Interessant ist, was er bei Ihnen bekommt und woanders nicht: die Behandlungszeit, das Fortbildungsbudget, die Vertragsstunden, den Vorlauf im Dienstplan.
Bevor Sie Reichweite einkaufen
Reichweite verstärkt, was da ist. Ist das Angebot gut, kommen mehr Gespräche zustande. Liegt es unter Marktniveau, sehen mehr Leute, dass es unter Marktniveau liegt, und im Ort spricht sich das herum. Deshalb lohnt es sich, vorher ehrlich zu prüfen, wo die eigene Praxis im Vergleich steht.
Die Eckdatenstudie 2025 nennt ein mittleres Einstiegsgehalt von 2.858 Euro brutto, bei 40 Wochenstunden sind das rund 16,50 Euro je Stunde. Wer dort liegt, zahlt Durchschnitt, und Durchschnitt bringt niemanden dazu, sich zu bewerben. Der zweite Punkt ist die Taktung: 51,8 Prozent der Praxen arbeiten im 20-Minuten-Takt. Wer auf 25 oder 30 Minuten geht, hebt sich von der Hälfte des Marktes ab, muss das aber über den Preis oder über Selbstzahlerangebote hereinholen.
Welche Stundensätze heute nötig sind und aus welchen Gründen Therapeuten tatsächlich kündigen, steht ausführlich im Beitrag Physiotherapeuten finden: Gehalt und Wechselgründe. Wenn Sie es schnell und für die eigene Praxis wissen wollen, führt der Recruiting-Check in drei Minuten durch die Punkte, an denen Bewerber üblicherweise abspringen.
Wie lange es realistisch dauert
221 Tage im Schnitt bis zur Neubesetzung, das ist die Zahl, gegen die jeder Anbieter antritt. Wenn Ihnen jemand 30 Tage garantiert, ist die Nachfrage berechtigt, was passiert, wenn die Frist reißt.
Für Social Recruiting sind zwei bis vier Monate der ehrliche Rahmen. Die ersten Wochen kosten Geld und liefern Erkenntnisse statt Unterschriften. Das ist kein Zeichen dafür, dass es nicht funktioniert, sondern der Teil des Prozesses, auf dem die späteren Ergebnisse aufbauen. Wer das vorher weiß, hält ihn aus.
Häufige Fragen
Welcher Weg passt zu Ihrer Praxis?
In einer kostenlosen Potenzial-Analyse schauen wir uns Ihre Region, Ihre offene Stelle und Ihr Angebot an, und sagen Ihnen ehrlich, ob sich unser Weg für Sie rechnet.
Kostenlose Potenzial-AnalyseUnverbindlich · Antwort innerhalb von 24 Stunden