Der wichtigste Unterschied betrifft nicht die Fachlichkeit, sondern die Arbeitszeit. Wer in der Logopädie eine klassische Vollzeitstelle ausschreibt, spricht einen sehr kleinen Teil des Marktes an.
Teilzeitquote: Statistisches Bundesamt 2022, Berechnung LOGO Deutschland. Vollzeitanteil: Gehaltsumfrage des Deutschen Bundesverbands für Logopädie, Januar/Februar 2026, 1.159 auswertbare Antworten. Versorgungsdichte: Berechnung LOGO Deutschland auf Basis Destatis und KBV-Bundesarztregister, Stand 2022 (Ergotherapie zum Vergleich: 4.017).
Wenn nur 4,5 Prozent der Berufsgruppe in Vollzeit arbeiten, ist eine reine Vollzeitausschreibung keine Anforderung, sondern ein Ausschlusskriterium. Wer zwei Teilzeitstellen ausschreibt statt einer Vollzeitstelle, vervielfacht den erreichbaren Bewerberkreis, bei gleicher Versorgungskapazität.
Gehalt: die aktuellste Zahl der Branche
Für die Logopädie liegt eine ungewöhnlich frische und methodisch saubere Erhebung vor: Der Berufsverband hat im Januar und Februar 2026 angestellte Logopädinnen und Logopäden in ambulanten Praxen befragt.
| Kennwert | Stundenlohn brutto |
|---|---|
| Unteres Quartil | 20,19 € |
| Median | 22,25 € |
| Oberes Quartil | 24,06 € |
Gehaltsumfrage des Deutschen Bundesverbands für Logopädie, Erhebung Januar/Februar 2026, 1.159 vollständig auswertbare Fragebögen. Etwa die Hälfte der Befragten verdient zwischen 20 und 24 Euro pro Stunde.
Der Verband erhebt bewusst Stundenlöhne statt Monatsgehälter. Genau wegen der hohen Teilzeitquote. Für Sie ist das praktisch: Der Stundenlohn ist die Größe, mit der Bewerber Angebote tatsächlich vergleichen.
Eine zweite Orientierung kommt vom Verband der Freiberuflichen Logopädinnen und Logopäden, der 23 Euro je geleisteter Therapiestunde à 45 Minuten empfiehlt. Die Begründung ist nachvollziehbar: Angestellte sollten rund ein Drittel der Kassenvergütung je Therapiestunde erhalten.
Die Rechnung hinter der Behandlungszeit
Eine logopädische Einzeltherapie dauert in der Regel 45 Minuten, möglich sind auch 30 oder 60 Minuten. Vergütet werden ab Juli 2026 76,06 Euro je 45-Minuten-Einheit. Das klingt nach deutlich mehr als in der Physiotherapie, wo eine Krankengymnastik 29,63 Euro bringt, bis man die Zeit gegenrechnet.
| Logopädie | Physiotherapie | |
|---|---|---|
| Regelbehandlungszeit | 45 Min. | 15–25 Min. |
| Vergütung je Einheit | 76,06 € | 29,63 € |
| Einheiten je Stunde | ca. 1,3 | ca. 3 |
| Erlös je Behandlungsstunde | ca. 101 € | ca. 89 € |
Logopädie-Vergütung ab 01.07.2026 (zuvor 71,67 €). Physiotherapie-Vergütung für allgemeine Krankengymnastik ab 01.01.2026. Die Umrechnung auf Erlös je Stunde ist unsere eigene Rechnung auf Basis dieser Sätze.
Eine Wirtschaftlichkeitsanalyse des Verbands LOGO Deutschland beziffert den realen Gesamtaufwand für eine mit 45 Minuten vergütete Therapieeinheit auf durchschnittlich 67 Minuten. Rund 22 Minuten je Einheit sind also Nebenzeit, Dokumentation, Berichte, Elterngespräche, Terminorganisation. Wer diese Zeit in der Personalplanung nicht berücksichtigt, produziert entweder unbezahlte Mehrarbeit oder Rückstände. Beides sind bekannte Kündigungsgründe.
Wer eigentlich behandelt wird
Für die Personalsuche ist relevant, welches fachliche Profil Sie überhaupt anbieten können. Der ambulante Markt ist eindeutig verteilt:
- 62 Prozent der Patienten haben eine umschriebene Entwicklungsstörung des Sprechens und der Sprache. Der ambulante Alltag ist ganz überwiegend Kindersprache.
- Rund 54 Prozent der Behandlungen werden von Kinder- und Jugendärzten verordnet. Die Auslastung einer Praxis hängt damit faktisch an einer einzigen Facharztgruppe.
- Neurologie ist ambulant klein, aber wertvoll. Dysphagie, Aphasie und Parkinson machen zusammen nur wenige Prozent der Fälle aus, erzeugen aber deutlich höhere Umsätze je Patient.
- Klinik ist eine andere Welt. Dort dominieren Neurologie und Stroke Unit; Pädiatrie spielt kaum eine Rolle. Wer aus der Klinik wechselt, verändert sein Fachgebiet grundlegend. Das gehört ins Bewerbungsgespräch.
Wenn Sie neurologische Schwerpunkte anbieten oder Zusatzqualifikationen wie Trachealkanülenmanagement fördern, ist das ein echtes Unterscheidungsmerkmal. Diese Themen sind nicht verpflichtender Teil der Ausbildung, während der Bedarf steigt.
Der Ausbildungshintergrund, den man kennen sollte
Die Logopädie war jahrelang der teuerste Weg in einen Therapieberuf. Nach einer Verbandserhebung zahlte über die Hälfte der Auszubildenden zwischen 550 und 750 Euro Schulgeld monatlich; ein Schuldenstand von 30.000 bis 40.000 Euro bei Berufsstart war keine Seltenheit.
Inzwischen haben die meisten Bundesländer die Schulgeldfreiheit eingeführt. In Baden-Württemberg und Thüringen fällt weiterhin Schulgeld an, an privaten Schulen teils erheblich mehr. Und: Schulgeldfreiheit bedeutet keine Ausbildungsvergütung. Anders als in der Pflege verdienen Auszubildende in der Logopädie in der Regel nichts.
Für Sie als Praxisinhaber ist das ein Ansatzpunkt, den kaum jemand nutzt: Wer Praktika vergütet, Fortbildungskosten übernimmt oder beim Berufseinstieg entgegenkommt, adressiert eine reale finanzielle Belastung, und hebt sich damit messbar von Mitbewerbern ab.
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