Für Praxisinhaber

Logopäden finden: ein Arbeitsmarkt mit eigenen Regeln

Wer die Logopädie wie die Physiotherapie behandelt, sucht länger. Behandlungszeiten, Teilzeitquote und Versorgungsdichte unterscheiden sich so deutlich, dass auch die Personalsuche anders aufgesetzt werden muss.

Der wichtigste Unterschied betrifft nicht die Fachlichkeit, sondern die Arbeitszeit. Wer in der Logopädie eine klassische Vollzeitstelle ausschreibt, spricht einen sehr kleinen Teil des Marktes an.

66 % Teilzeitquote in der ambulanten Logopädie, bundesweit über alle Berufe sind es 30,2 %
4,5 % der befragten Logopädinnen arbeiten Vollzeit mit 40 Wochenstunden
4.962 Einwohner je Vollzeitstelle, in der Physiotherapie sind es 675

Teilzeitquote: Statistisches Bundesamt 2022, Berechnung LOGO Deutschland. Vollzeitanteil: Gehaltsumfrage des Deutschen Bundesverbands für Logopädie, Januar/Februar 2026, 1.159 auswertbare Antworten. Versorgungsdichte: Berechnung LOGO Deutschland auf Basis Destatis und KBV-Bundesarztregister, Stand 2022 (Ergotherapie zum Vergleich: 4.017).

Was das für Ihre Stellenanzeige bedeutet

Wenn nur 4,5 Prozent der Berufsgruppe in Vollzeit arbeiten, ist eine reine Vollzeitausschreibung keine Anforderung, sondern ein Ausschlusskriterium. Wer zwei Teilzeitstellen ausschreibt statt einer Vollzeitstelle, vervielfacht den erreichbaren Bewerberkreis, bei gleicher Versorgungskapazität.

Gehalt: die aktuellste Zahl der Branche

Für die Logopädie liegt eine ungewöhnlich frische und methodisch saubere Erhebung vor: Der Berufsverband hat im Januar und Februar 2026 angestellte Logopädinnen und Logopäden in ambulanten Praxen befragt.

KennwertStundenlohn brutto
Unteres Quartil20,19 €
Median22,25 €
Oberes Quartil24,06 €

Gehaltsumfrage des Deutschen Bundesverbands für Logopädie, Erhebung Januar/Februar 2026, 1.159 vollständig auswertbare Fragebögen. Etwa die Hälfte der Befragten verdient zwischen 20 und 24 Euro pro Stunde.

Der Verband erhebt bewusst Stundenlöhne statt Monatsgehälter. Genau wegen der hohen Teilzeitquote. Für Sie ist das praktisch: Der Stundenlohn ist die Größe, mit der Bewerber Angebote tatsächlich vergleichen.

Eine zweite Orientierung kommt vom Verband der Freiberuflichen Logopädinnen und Logopäden, der 23 Euro je geleisteter Therapiestunde à 45 Minuten empfiehlt. Die Begründung ist nachvollziehbar: Angestellte sollten rund ein Drittel der Kassenvergütung je Therapiestunde erhalten.

Die Rechnung hinter der Behandlungszeit

Eine logopädische Einzeltherapie dauert in der Regel 45 Minuten, möglich sind auch 30 oder 60 Minuten. Vergütet werden ab Juli 2026 76,06 Euro je 45-Minuten-Einheit. Das klingt nach deutlich mehr als in der Physiotherapie, wo eine Krankengymnastik 29,63 Euro bringt, bis man die Zeit gegenrechnet.

LogopädiePhysiotherapie
Regelbehandlungszeit45 Min.15–25 Min.
Vergütung je Einheit76,06 €29,63 €
Einheiten je Stundeca. 1,3ca. 3
Erlös je Behandlungsstundeca. 101 €ca. 89 €

Logopädie-Vergütung ab 01.07.2026 (zuvor 71,67 €). Physiotherapie-Vergütung für allgemeine Krankengymnastik ab 01.01.2026. Die Umrechnung auf Erlös je Stunde ist unsere eigene Rechnung auf Basis dieser Sätze.

Eine Zahl, die kaum jemand nennt

Eine Wirtschaftlichkeitsanalyse des Verbands LOGO Deutschland beziffert den realen Gesamtaufwand für eine mit 45 Minuten vergütete Therapieeinheit auf durchschnittlich 67 Minuten. Rund 22 Minuten je Einheit sind also Nebenzeit, Dokumentation, Berichte, Elterngespräche, Terminorganisation. Wer diese Zeit in der Personalplanung nicht berücksichtigt, produziert entweder unbezahlte Mehrarbeit oder Rückstände. Beides sind bekannte Kündigungsgründe.

Wer eigentlich behandelt wird

Für die Personalsuche ist relevant, welches fachliche Profil Sie überhaupt anbieten können. Der ambulante Markt ist eindeutig verteilt:

  • 62 Prozent der Patienten haben eine umschriebene Entwicklungsstörung des Sprechens und der Sprache. Der ambulante Alltag ist ganz überwiegend Kindersprache.
  • Rund 54 Prozent der Behandlungen werden von Kinder- und Jugendärzten verordnet. Die Auslastung einer Praxis hängt damit faktisch an einer einzigen Facharztgruppe.
  • Neurologie ist ambulant klein, aber wertvoll. Dysphagie, Aphasie und Parkinson machen zusammen nur wenige Prozent der Fälle aus, erzeugen aber deutlich höhere Umsätze je Patient.
  • Klinik ist eine andere Welt. Dort dominieren Neurologie und Stroke Unit; Pädiatrie spielt kaum eine Rolle. Wer aus der Klinik wechselt, verändert sein Fachgebiet grundlegend. Das gehört ins Bewerbungsgespräch.

Wenn Sie neurologische Schwerpunkte anbieten oder Zusatzqualifikationen wie Trachealkanülenmanagement fördern, ist das ein echtes Unterscheidungsmerkmal. Diese Themen sind nicht verpflichtender Teil der Ausbildung, während der Bedarf steigt.

Der Ausbildungshintergrund, den man kennen sollte

Die Logopädie war jahrelang der teuerste Weg in einen Therapieberuf. Nach einer Verbandserhebung zahlte über die Hälfte der Auszubildenden zwischen 550 und 750 Euro Schulgeld monatlich; ein Schuldenstand von 30.000 bis 40.000 Euro bei Berufsstart war keine Seltenheit.

Inzwischen haben die meisten Bundesländer die Schulgeldfreiheit eingeführt. In Baden-Württemberg und Thüringen fällt weiterhin Schulgeld an, an privaten Schulen teils erheblich mehr. Und: Schulgeldfreiheit bedeutet keine Ausbildungsvergütung. Anders als in der Pflege verdienen Auszubildende in der Logopädie in der Regel nichts.

Für Sie als Praxisinhaber ist das ein Ansatzpunkt, den kaum jemand nutzt: Wer Praktika vergütet, Fortbildungskosten übernimmt oder beim Berufseinstieg entgegenkommt, adressiert eine reale finanzielle Belastung, und hebt sich damit messbar von Mitbewerbern ab.

Häufige Fragen

Nach der Gehaltsumfrage des Berufsverbands vom Januar und Februar 2026 mit 1.159 auswertbaren Antworten liegt der Stundenlohn im Median bei 22,25 Euro brutto, das untere Quartil bei 20,19 Euro, das obere bei 24,06 Euro. Etwa die Hälfte verdient zwischen 20 und 24 Euro. Der Verband erhebt Stundenlöhne, weil nur 4,5 Prozent Vollzeit mit 40 Wochenstunden arbeiten.
Die Teilzeitquote in der ambulanten Logopädie lag 2022 bei rund 66 Prozent, mehr als das Doppelte der allgemeinen Quote von 30,2 Prozent. Der Frauenanteil liegt bei etwa 93 Prozent. Eine reine Vollzeitausschreibung spricht damit nur einen kleinen Teil des Bewerberkreises an.
In der Regel 45 Minuten, möglich sind auch 30 oder 60 Minuten. Damit werden pro Tag deutlich weniger Patienten behandelt als in der Physiotherapie mit 15 bis 25 Minuten. Eine Verbandsanalyse beziffert den realen Gesamtaufwand für eine mit 45 Minuten vergütete Einheit auf durchschnittlich 67 Minuten.
Auf eine Vollzeitstelle kommen rechnerisch rund 4.962 Einwohner, in der Physiotherapie sind es 675, in der Ergotherapie 4.017. Das ist die dünnste Versorgungsdichte unter den Heilmittelberufen. In einer Verbandsumfrage gaben 97 Prozent der Praxen an, Betroffenen keinen zeitnahen Therapieplatz anbieten zu können.

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