Die meisten Praxen, die bei uns anrufen, wollen Reichweite. Der ehrlichere erste Schritt ist eine andere Frage: Würde ich selbst dort anfangen, zu diesen Bedingungen? Wer die Frage mit Nein beantwortet, braucht keine Kampagne, sondern ein besseres Angebot.
Einstiegsgehalt: Eckdatenstudie 2025 zur Physiotherapiebranche von ETL ADVISION und dem Verlag für Prävention & Gesundheit, im Mittel 2.858 Euro brutto, umgerechnet auf 40 Wochenstunden. Bindung und Führungsvertrauen: Gallup Engagement Index 2025, Befragung von rund 1.700 Beschäftigten im November und Dezember 2024.
Warum Reichweite ohne Angebot verpufft
Eine Kampagne sorgt dafür, dass Ihre Praxis im Feed von Therapeuten auftaucht, die nicht aktiv suchen. Das ist die eigentliche Leistung, denn nach der forsa-Befragung im Auftrag von XING vom Januar 2025 mit 3.413 Teilnehmern planen nur 7 Prozent der Beschäftigten konkret einen Wechsel, während 29 Prozent offen sind und von sich aus nichts unternehmen.
Diese Leute schauen sich Ihr Angebot dann aber an. Sie vergleichen es mit dem, was sie haben, und mit dem, was die Praxis zwei Orte weiter bietet. An dieser Stelle entscheidet sich alles Weitere, und dort hilft kein Werbebudget. Im Ort spricht es sich außerdem herum, wenn viele hinschauen und niemand zusagt.
Gehalt: hier wird nicht abgewogen, sondern aussortiert
Beim Stundenlohn gibt es keine Verrechnung. Wer eine Zahl liest, die unter dem liegt, was er kennt, hört auf zu lesen. Alles andere im Angebot sieht er gar nicht mehr. Deshalb steht dieser Punkt am Anfang.
| Beruf | Orientierung | Quelle |
|---|---|---|
| Physiotherapie, Einstieg | 20 bis 22 € | Praxiswert; üblich sind derzeit rund 18 € |
| Ergotherapie, Median | 21,43 € | Lohnorientierung des Berufsverbands ab 08/2025 |
| Ergotherapie, Untergrenze | 18,50 € | dieselbe Quelle |
| Logopädie, Median | 22,25 € | dbl-Gehaltsumfrage 01–02/2026, 1.159 Antworten |
In der Ergotherapie lagen die tatsächlich gezahlten Löhne 2024 im Schnitt bei 19,97 Euro, während der Schiedsstelle für 2025 ein kalkulatorischer Stundensatz von 23,76 Euro zugrunde lag. Zwischen dem, was in der Vergütung eingerechnet ist, und dem, was ankommt, liegt also eine Lücke.
Genauso wichtig wie der Einstieg ist die Entwicklung danach. Wer nach drei Jahren fast dasselbe verdient wie am ersten Tag, holt sich die Erhöhung über einen Wechsel. Zwei schriftlich festgehaltene Stufen im Vertrag kosten nichts und nehmen das Thema aus dem Alltag, weil niemand mehr darum bitten muss.
Benefits: 50 Euro sind der Einstieg, nicht das Argument
Die steuerfreie Sachbezugsgrenze nach § 8 EStG liegt seit 2022 bei 50 Euro im Monat und gilt 2026 unverändert. Genau deshalb bieten so viele Praxen Tankkarte oder Sportzuschuss an: Es ist einfach, günstig und sofort umsetzbar. Wer es anbietet, fällt damit aber nicht auf, sondern erfüllt eine Erwartung. Als Unterscheidungsmerkmal taugt es nicht mehr.
Zwei Punkte zur Umsetzung, an denen es oft hakt: Die 50 Euro sind eine Freigrenze und kein Freibetrag. Wird sie um einen Cent überschritten, ist der gesamte Betrag steuer- und sozialversicherungspflichtig. Und der Sachbezug muss zusätzlich zum Lohn kommen. Eine Umwandlung von Bruttolohn in Gutscheine ist seit 2020 ausgeschlossen.
Was tatsächlich auffällt
- Betriebliche Krankenversicherung. Je nach Tarif ab etwa 10 bis 30 Euro je Mitarbeiter und Monat. Der Betrag ist überschaubar, die Wirkung ist eine andere als bei einem Gutschein: Es geht um Gesundheit, und das kommt in einem Gesundheitsberuf anders an.
- Betriebliche Altersvorsorge über die Pflicht hinaus. Bei Entgeltumwandlung sind 15 Prozent Arbeitgeberzuschuss nach § 1a BetrAVG ohnehin vorgeschrieben, seit 2022 auch für Altverträge. Wer nur die Pflicht erfüllt, bietet nichts Besonderes. Wer einen echten eigenen Beitrag zahlt, schon.
- Umsatzbeteiligung. In Therapiepraxen noch selten. In Regionen, in denen mehrere Praxen um dieselben Leute konkurrieren, ist es genau deshalb ein Argument, das sonst niemand hat.
Der gemeinsame Nenner dieser drei Punkte: Sie lassen sich in einem Satz benennen, sie kosten weniger als eine allgemeine Lohnerhöhung, und sie zeigen etwas über die Haltung des Arbeitgebers. Nämlich dass er sich Gedanken gemacht hat.
Die Einstiegsprämie: gegen die Trägheit im bestehenden Job
Viele Therapeuten sitzen in einem Arbeitsverhältnis, das in Ordnung ist. Für zwei Euro mehr Stundenlohn kündigt dort niemand, weil der Aufwand des Wechsels größer wirkt als der Gewinn. Eine einmalige Summe verschiebt diese Rechnung, weil sie sofort spürbar ist.
Bewährt hat sich ein Betrag von rund 2.000 Euro, ausgezahlt in zwei Hälften: die erste bei Arbeitsantritt, die zweite nach sechs Monaten. Das hat für beide Seiten einen Sinn. Die Praxis trägt das Risiko nur für die erste Hälfte und ist nach den sechs Monaten in jedem Fall wieder bei null, selbst wenn die Person geht. Und diese sechs Monate sind genau der Zeitraum, in dem sich entscheidet, ob jemand bleibt.
Nach einer Auswertung von Stellenanzeigen durch Indeed stieg der Anteil der Anzeigen mit Einstiegsprämie im Jahr 2022 innerhalb weniger Monate um 73 Prozent. In einer YouGov-Befragung für Indeed mit 2.038 Erwerbstätigen gaben 72 Prozent an, für finanzielle Vorteile einen Wechsel in Betracht zu ziehen.
Arbeitszeit: die Frage falsch herum stellen
Der übliche Satz lautet: Sie müssen zwei Spätschichten pro Woche übernehmen. Die bessere Frage lautet: Wann möchten Sie arbeiten? Das klingt nach einem Zugeständnis, ist aber vor allem eine andere Reihenfolge. Der Dienstplan entsteht aus den Wünschen der Leute und nicht umgekehrt.
Das geht weiter, als viele denken, und es hat Grenzen. Wenn Sie Spätdienste brauchen, dann sprechen Sie über 18 oder 19 Uhr statt über 20:30 Uhr, und Sie sprechen mit der Person darüber, statt es einzuteilen. Patienten richten sich stärker nach den verfügbaren Zeiten, als die meisten Praxen annehmen. Ein Termin, den es nur bis 19 Uhr gibt, wird trotzdem wahrgenommen.
Dasselbe gilt für Urlaub. Wer flexibel plant, statt auf feste Zeiträume zu bestehen, hat einen Vorteil, der nichts kostet und im Gespräch sofort verstanden wird.
Das Team entscheidet, ob jemand bleibt
Das Gehalt gewinnt einen Mitarbeiter. Das Team hält ihn. Stimmt die Bezahlung und das Team nicht, folgt die Kündigung trotzdem, nur später. Die Zahlen dazu sind deutlich: Im Gallup Engagement Index 2025 sind nur 9 Prozent der Beschäftigten emotional hoch gebunden, 13 Prozent haben innerlich gekündigt, und die Hälfte will nicht sicher beim aktuellen Arbeitgeber bleiben. Der Unterschied zeigt sich sogar bei den Fehltagen: Wer emotional gebunden ist, gibt 5,5 Fehltage im Jahr an, wer innerlich gekündigt hat, 7,9. Das sind Selbstauskünfte aus der Befragung und liegen deshalb weit unter der Kassenstatistik, die für 2024 im Schnitt 22,3 Arbeitsunfähigkeitstage je Beschäftigten ausweist und auch Langzeiterkrankungen mitzählt. Aussagekräftig ist hier nicht die Höhe, sondern der Abstand: gut 40 Prozent mehr Fehltage bei innerer Kündigung.
Wer dauerhaft schlechte Stimmung macht, kostet das Team
Das ist der unangenehmste Punkt auf dieser Liste. Eine einzelne Person, die dauerhaft schlechte Laune verbreitet, bremst ein Team über Monate und treibt irgendwann diejenigen weg, die Sie behalten wollten. Diese Trennung fällt schwer, besonders wenn die Person fachlich gut ist. Sie im Team zu lassen kostet trotzdem mehr, nur eben verteilt und schlechter sichtbar.
Wie miteinander gesprochen wird
Niemanden vor anderen bloßstellen. Kritik unter vier Augen, und zuerst das benennen, was gut läuft. Der Unterschied ist im Alltag größer, als er auf dem Papier wirkt:
„Mir gefällt richtig gut, dass ich mich auf dich verlassen kann. Was mir noch besser gefallen würde: dass du die Arbeitskleidung trägst, so wie wir es abgesprochen hatten.“ Dieselbe Sache, ein anderer Nachhall. Nur 21 Prozent der Beschäftigten vertrauen ihrer Führungskraft uneingeschränkt, das sind 20 Prozentpunkte weniger als 2022. Ein Großteil davon entsteht in genau solchen Alltagsmomenten.
Fragen Sie die Leute, die schon da sind
Der schnellste Weg zu einem besseren Angebot führt über das eigene Team. Was fehlt euch? In welche Richtung wollt ihr fachlich? Was würdet ihr ändern, wenn ihr könntet? Die Antworten sind meist konkreter und billiger, als Praxisinhaber erwarten.
Der Nebeneffekt ist genauso viel wert. Wer gefragt wird, fühlt sich anders gesehen als jemand, dem eine Neuerung angekündigt wird. Und Sie erfahren nebenbei, was Ihre Leute Bewerbern über die Praxis erzählen werden.
Fachlich stehenbleiben ist auch eine Entscheidung
Eine Praxis, in der ausschließlich an der Liege gearbeitet wird, spricht einen kleineren Teil der Bewerber an. Wer aktive Therapie anbietet, Trainingsfläche hat oder eigene Schwerpunkte aufbaut, hat im Gespräch mehr zu erzählen als jemand, der auf die Frage nach der Entwicklung schweigt.
Das ist kein Muss. Man kann eine Praxis bewusst klassisch führen und das offen sagen. Dann sollte man es allerdings von Anfang an so ausschreiben und nicht mit modernen Versprechen werben, die im Alltag nicht eingelöst werden. Wer als solide Praxis mit klarem Profil auftritt, findet auch dafür Leute. Wer etwas verspricht und nicht liefert, verliert sie in der Probezeit wieder.
Häufige Fragen
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